
Social Media
Plattformen regulieren.
Soziale Medien lassen sich durch konkrete techno-rechtliche Eingriffe gestalten.
Prof. Dr. Aurelia Tamò-Larrieux und Prof. Dr. Simon Mayer
Universität St. Gallen
Konrad-Adenauer-Stiftung, 4. November 2026
kas-social-media-goes-social
Informatik trifft Recht.

Prof. Dr. Aurelia Tamò-Larrieux
Professur für Recht & Technologie
Universität St. Gallen
Google Scholar ↗Wo Regulierung ansetzen kann.
Transparenz schafft Evidenz.
Aber Plattformen benoten sich selbst.
Plattformen bewerten und mindern ihre Risiken selbst.
- Jährliche Risikobewertung: Diskurs, Wahlen, psychische Gesundheit
- Datenzugang für Forschende (Art. 40)
- Jährliche unabhängige Prüfung (Art. 37)
- Nur sehr große Plattformen
Altersgrenzen sind sichtbar.
Ihre Wirkung ist begrenzt.
Hält bestimmte Gruppen von bestimmten Feeds fern, ohne die Mechanismen zu regeln.
- Einfach und politisch sichtbar
- Facebook-Zugang verschlechterte die psychische Gesundheit von Studierenden3
Kleine Designentscheidungen.
Messbare Folgen.
Regelt konkrete Mechanismen von Interface und Algorithmus.
- Belege nur für einzelne Eingriffe
- Eingriff in Wirtschaftsfreiheit
- Feste Vorgaben hinken neuen Funktionen hinterher
Beweislast umkehren.
Anreize für gutes Design.
Setzt an den Optimierungszielen an: heute Engagement und Werbeumsatz.
Gesellschaft und Forschung müssen nachweisen, dass ein Design schadet.
Plattformen zeigen, dass ihr Design gut ist, und werden dafür belohnt.
- KPIs an gesellschaftlichen Zielen ausrichten, z. B. Wohlbefinden statt Verweildauer
- Anreize statt Verbote
Die Hebel
wirken zusammen.
Jetzt durchsetzen
Vollständige Risikoberichte, echter Datenzugang, Prüfung von außen.
Ergänzend
Datenschutzfreundlich, nicht an das Alter gekoppelt.
Gezielt einsetzen
Wo Evidenz vorliegt. Neue Evidenz in Deutschland schaffen.
Langfristig vorbereiten
Moderate Varianten jetzt prüfen.
Was tun wir jetzt?
Ein Vorschlag.
Die Hebel helfen, konkrete Maßnahmen ins bestehende Recht einzubringen.
Feed-TÜV
Feeds unabhängig messen und prüfen. Wer besteht, erhält eine Prüfplakette.
Not addictive by default
Lockrufe per Voreinstellung aus.
Sichtbare Trade-offs
Informiert zwischen Feeds wählen.
Werbewert-Abgabe mit Bonus
Wer sicher gestaltet, zahlt weniger.
Strukturierte Datensammlung
und Feed-TÜV.
Not addictive
by default.
Sichtbare Trade-offs.
Informiert wählen.
Engagement-Feeds können extreme Inhalte verstärken1. Wer zwischen Feeds wählt, soll informiert wählen.
Werbewert-Abgabe
mit Bonus.
vgl. Österreich und „Plattform-Soli“
mit gültiger Prüfplakette
Bildung zu Empfehlungssystemen:
alle erreichen.
Für alle
Von der Grundschule bis zur Erwachsenenbildung.
Kompakt
30 bis 45 Minuten, standardisierte, frei zugängliche Materialien.
Konkret
Wie ein Feed auswählt, worauf er optimiert, wie Lockrufe wirken.
Am Produkt ansetzen,
nicht an Verboten.
Feed-TÜV
Unabhängig messen und prüfen.
Ergänzend
Datenschutzfreundlich, nicht an das Alter gekoppelt.
Werbewert-Abgabe mit Bonus
Wer sicher gestaltet, zahlt weniger.
Neue Technologien,
neue Herausforderungen.
Die nächste Plattform
KI-Chatbots prägen zunehmend „künstlich-soziale“ Interaktionen. ChatGPT Search ist seit August 2026 eine sehr große Suchmaschine nach dem DSA.1
Bekannte Probleme
Systemrisiken und Designs, die zu mehr Interaktion verlocken: Die Hebel I–IV lassen sich übertragen.
Evidenz fehlt
Hier braucht es noch dringender wissenschaftliche Belege, vor allem zu Langzeiteffekten.
Vielen Dank.
Die Konrad-Adenauer-Stiftung verteilt im Anschluss ein Whitepaper, das unsere grobe Übersicht um einige Details ergänzt.
Quellen.
Discord (2025). Update on a Security Incident Involving Third-Party Customer Service.
DSA40 Data Access Collaboratory (2026). DSA40 Tracker Insights. Stand 8. September 2026.
Gerechtshof Amsterdam (2026). Bits of Freedom gegen Meta, Berufungsurteil, ECLI:NL:GHAMS:2026:594.
Lukoff, K. et al. (2021). How the Design of YouTube Influences User Sense of Agency. CHI '21.
PRO Medienmagazin (2026). Bundesregierung plant schärferen Jugendschutz in sozialen Medien.
Wagner, M. W. (2023). Independence by permission. Science 381, 388–391.